Umweltpreis Rheinland-Pfalz 2008

Im Herbst 2008 erhielten Helga Berger und Norbert Schäfer den Umweltpreis des Landes Rheinland-Pfalz

Mit den Arbeitsschwerpunkten „Gestaltung von Naturnahen Spielräumen sowie der „Spielleitplanung“ setzt sich das Büro seit 18 Jahren konsequent für ein wachsendes Umweltbewusstsein in unserer Gesellschaft ein.

Naturnahe Spielräume
Ausgehend von dem Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ aus der Entwicklungshilfe hat das Büro STADT+NATUR (Mitinhaber Norbert Schäfer war mehrjährig für MISEREOR tätig) vor 18 Jahren eine Projektstrategie entwickelt, bei der unter Beteiligung der Zielgruppe (Kinder, Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, etc.) naturnahe, pädagogisch wertvolle und zudem kostengünstige Spielräume gemeinsam geplant und gebaut werden. Die Umsetzung der Projekte erfolgt bauabschnittsweise in Form samstäglicher Bauaktionen, die vom Landschaftsarchitekturbüro professionell vorbereitet und angeleitet werden. Je nach Größe der Einrichtung ist das Gelände nach 4 – 8 Bausamstagen fertig gestellt.
Neben der pädagogischen Zielsetzung, hochwertige Spielräume für die ganzheitliche Entwicklung der Kinder zu gestalten, sind für das Büro folgende Aspekte relevant:

Umweltbildung
Bei Kindern und Jugendlichen lässt sich ein zunehmender Mangel an Naturerfahrung beobachten. Insofern ist es wichtig, der Zielgruppe die Themen Umwelt und Natur in Form lebendiger Projekte nahe zu bringen. Dieses ist im Rahmen der Planentwicklung sowie in der gemeinsamen Umsetzung von Spielraumprojekten möglich - spielerisch und nachvollziehbar können diese Aspekte vermittelt werden. Durch das Spielen und den Aufenthalt in einem naturnah gestalteten Gelände lernen junge Menschen ökologische Zusammenhänge ver-stehen, erfahren hautnah, welche positiven Auswirkungen Natur auf ihr Leben, auf ihr Wohl-befinden hat. Es wird ihnen bewusst, dass die Natur gefährdet ist und geschützt werden muss.

Wertschätzung von Ressourcen
Aufgewachsen in einer Lebenswelt, die von Konsum, steter Verfügbarkeit und der Sucht nach ständig neuen Highlights gezeichnet ist, ist es wichtig, Kindern frühzeitig das Haushalten, den verantwortungsvollen Umgang mit, bzw. das Wertschätzen der vorhandenen Ressourcen zu vermitteln. Die Gestaltung naturnaher Spielräume setzt zunächst auf den Erhalt des Vorhandenen. Darauf aufbauend erfolgt die Gestaltung von naturnahen Landschaften – unter Verwendung vor Ort vorhandener Materialien (z.T. Rest- oder Abfallmaterial) und in einfachster Bauweise. Diese Verfahrensweise ermöglicht nicht nur eine kostengünstige Lösung, sondern bietet auch die Möglichkeit einer umfangreichen Bürgerbeteiligung.

Plattform für ehrenamtliche Engagierte
Ehrenamtliches Engagement braucht interessante Projekte, in die man sich als Laie einbringen kann, und professionelle Begleitung. Diese Voraussetzungen bieten die Naturnahen Spielraumprojekte. In der gemeinsamen Arbeit begegnen sich Klein und Groß in intensiver Weise, das gemeinsame freudvolle Schaffen hilft Spannungen oder Vorurteile abbauen. Pro Projekt werden im Durchschnitt ca. 1.100 ehrenamtliche Stunden durch Bürger geleistet. Dieses schafft nicht nur eine Identifikation mit der Einrichtung, sondern auch eine Verantwortlichkeit in bezug auf das Geschaffene selbst – mit dem Effekt, dass der Vandalismus bei diesen Spielräumen geringer ist als üblicherweise.

Nachhaltige Projekte
Der Begriff Nachhaltigkeit ist in seiner Komplexität schon für Erwachsene schwer zu begreifen. Im Rahmen eines Spielraumprojektes lernen die Kinder (sowie die beteiligten Erwachsenen) auf spielerische Art und Weise diesen ganzheitlichen Ansatz mit seinen ökologischen, sozialen und ökonomischen Komponenten kennen. Dadurch, dass Kinder bereits in jungen Jahren mit der Thematik konfrontiert werden, besteht die Hoffnung, dass sie sich als Erwachsene eine nachhaltige Lebensweise zu eigen machen.

Verbundsystem zur Verbreitung der nachhaltigen Spielraumidee
Basierend auf der Erkenntnis, dass sich die Idee zur Gestaltung naturnaher Spielräume nur da nachhaltig etabliert, wo vor Ort Planungsbüros entsprechende qualitativ hochwertige Arbeit leisten, hat das Büro STADT+NATUR Klingenmünster den Aufbau von 8 eigenständigen Bürofilialen in ganz Deutschland unterstützt.

Impulsgeber und Vorreiter
Nach dem ersten naturnah gestalteten Aussengelände des prot. Kindergartens in Hütschenhausen,  für das unser Büro den „Deutschen Spielraumpreis“ gewann (ausgelobt vom Deutschen Kinderhilfswerk), wurden bis heute ca. 300 naturnahe Beteiligungsprojekte alleine durch unser Hauptbüro in Klingenmünster realisiert.
Nach einer Fülle von Veröffentlichungen für Ministerien, Versicherungsträger u.a. schreiben wir z.Zt. im Auftrag des Ministeriums (MUFV) an 2 Büchern, die auf eine noch stärkere Verbreitung des naturnahen Gestaltungsgedankens in Schulen und Kindergärten abzielen.  

Spielleitplanung
Das Büro STADT+NATUR war beteiligt an der Entwicklung der Spielleitplanung. In deren Rahmen wird die Qualität des Lebensumfeldes gemeinsam – d.h PlanerInnen und PädagogInnen sowie Kinder und Jugendliche - analysiert und nachhaltig verbessert. Dabei wird das gesamte Gemeindegebiet und –angebot in Form von Streifzügen, Zukunfts-werkstätten, etc. in den Focus genommen und Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung hin zu einer kinder- und jugendfreundlichen Gemeinde erarbeitet.

Nachhaltigkeit und Eine Welt
Das Büro STADT+NATUR sieht seine Verantwortung aber nicht nur im lokalen bzw. regionalen Kontext sondern auch im globalen Zusammenhang. Aus dem Grunde begleitet das Büro Schulen bei den Themenbereichen „Eine Welt und Nachhaltigkeit“. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Slumhütte“ in der Freien Montessori-Schule Landau. Gemeinsam mit den Kindern wurde ausschließlich aus Restmaterialien eine Slumhütte gebaut, wie sie typisch ist für die Großstädte in Lateinamerika. Weitere Beispiele sind Nachhaltigkeitsprojekte im Rahmen des Ganztagsschulunterrichts in der Regionalen Schule Rülzheim. Ein ganzes Schuljahr wurde mit dem nachhaltigen Material Lehm gearbeitet – am Ende entstand ein Lehmhaus, typisch für Afrika. Im darauf folgenden Schuljahr wurde ein Schülerweltladen aufgebaut – in dem fair gehandelte Produkte in der Schule angeboten werden. Die Eine Welt AG an der Schule Römerberg, an der Herr Schäfer und seine Frau maßgeblich beteiligt waren, gewann vor kurzem den Wettbewerb SuN (Schülerinnen und Schüler für Umwelt und Nachhaltigkeit) – ausgelobt vom Bildungsministerium Rheinland-Pfalz.

Ganzheitliches, nachhaltiges Handeln - im gewerblichen und privaten Bereich
Wie der Ansatz „Naturnahe Spielräume“ dazu beitragen soll, bei Kindern und Jugendlichen das Naturverständnis und Umweltbewusstsein zu entwickeln bzw. zu fördern, so war es für das Büro aus den selben Beweggründen heraus ein konsequenter Entschluss, den Gutshof Kaiserbacher Mühle in Klingenmünster zu erwerben. Im Rahmen des gegründeten gemeinnützigen Vereins Lobby für Kinder e.V. – dessen 1. Vorsitzender Herr Schäfer ist – werden jungen Menschen hier vielfältige Möglichkeiten der Naturerfahrung und -begegnung geboten. Das sind z.B. Eselwanderungen, Klettertouren im Pfälzerwald, Matschen am Kaiserbach, Besuch des Maisfeldlabyrinths, Begegnung mit den etwa 30 Tieren, u. v. m.  (www.lobbyfuerkinder.de). 2006 erhielt der Verein von der dt. UNESCO die Auszeichnung „Offizielles Projekt der Weltdekade 2006/2007 – Bildung für Nachhaltige Entwicklung“.

Generationsübergreifendes Wohn- und Arbeitsprojekt Kaiserbacher Mühle
In einer Zeit, in der die Begegnung zwischen jung und alt immer schwieriger (aber auch seltener) wird, haben die Inhaber des Büros STADT+NATUR mit dem Erwerb des Gutshofes ein modellhaftes Wohn- und Arbeitsprojekt initiiert, das angesichts der demographischen Entwicklung ein lebendiges und positives Beispiel für ein generationsübergreifendes Miteinander ist. Das Wohnprojekt Kaiserbacher Mühle wurde im letzten Jahr Landessieger im bundesweiten Wettbewerb „Netzwerk Nachbarschaft“. Im letzten Jahr gründeten „Wohnprojektengagierte“ aus Rheinland-Pfalz mit Unterstützung des Sozialministeriums die Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinschaftliches Wohnen Rheinland-Pfalz“ - einer der Sprecher ist Herr Schäfer.

Urkunde

Presseartikel

Glückwünsche von Ministerpräsident Kurt Beck